Außergewöhnlicher Teamgeist und Zusammenhalt zeichnet die „Waldfamilie“ aus
An einem Samstag in den Waldkindergarten gehen, noch dazu in Begleitung der Eltern? Das war für einige Kinder doch ungewohnt. Aber sie sollten, wie jedes Jahr im Frühjahr von ihren engagierten Müttern und Vätern mit neuen Spielmöglichkeiten im Rahmen des Elternprojekt-Tages belohnt werden.
Kurz vor neun Uhr kamen die ersten Väter voll bepackt mit Akku-Kreissäge, Stichsäge, Flex, Bohrmaschine, Werkzeugkisten und Schrauben-Sortiment auf das Gelände des Waldkindergartens.
Plötzlich hallte das Knattern eines Oldtimer-Bulldogs durch die Baumwipfel, David Trombetta, ein „Kindergarten-Vater“ näherte sich auf einem alten Traktor mit einem bunt angemalten Bauwagen dem Eingang.

Begeistert empfingen die staunenden Kinder und das Kindergarten-Team die angekündigte Überraschung des Tages.
Doch zunächst hieß es für die Kleinen, für ein paar Stunden auf Walderkundung zu gehen, denn David Trombetta hatte zusammen mit dem Elternbeirat für den Vormittag einiges geplant.

Nachdem er sich mit seinem Gespann den Weg durch den Wald über so manchem Baumstumpf zum endgültigen Standort gebahnt hatte, machten sich Bernhard, Flo und weitere Väter an das Aufbocken, Ausrichten, Eingangstreppe anbauen und den Stromanschluss.

Die beiden Hobby-Handwerker Uli und Martin bauten aus den Polstern einer ausgedienten Couch eine gemütliche Kuschelecke. Dorthin können sich die Kleinen später zurückziehen, wenn sie in Ruhe allein malen oder ein Bilderbuch anschauen wollen. In der anderen Ecke des Bauwagens bietet der selbstgebaute Tisch den Betreuerinnen genügend Platz für Elterngespräche oder dient als Wickeltisch für die kleinsten Waldkinder.

Zeitgleich berieten in der Nähe des Sandkastens einige Mütter, wie groß die neuen Spielehäuschen aus Paletten werden sollen. In der Zwischenzeit wurden mit Anhänger Latten, OSB-Platten, Paletten, Pflastersteine, Betonplatten, alles aus privaten Beständen oder nicht mehr benötigten Baustellen aus Mühlhausen, angeliefert.
Slawomir, im Neustädter Bauhof zuständig für die Spielplätze in den Kindergärten, kennt die Vorschriften für Waldkindergärten und gibt wertvolle Tipps. „Hier sind die Regelungen etwas „freier“ und es sind selbst gebaute Gebäude bis zu einer bestimmten Höhe erlaubt. Es geht darum, dass die Kinder mit kleinen Risiken umgehen lernen und so ein Gefühl für ihre körperlichen Fähigkeiten bekommen.“

Rund drei Stunden lang war im Dürnbucher Forst nahe Mühlhausen das Kreischen von Handkreissägen, Surren von Akkuschraubern, das Hämmern und Bohren zu hören. Wie ein großes eingespieltes Team brachte sich jede Mutter und jeder Vater auf den beiden Baustellen ein. Entscheidungen über die Ausführungsdetails wurden gemeinsam besprochen und jede und jeder wusste, wo und wie er sich am besten mit einbringen konnte, so dass David Trombetta als „Regisseur“ selbst auch mit Hand anlegen konnte.
Aber auch die in den letzten Jahren geschaffenen Einrichtungen mussten instandgesetzt und überprüft werden.

Christina befreite mit zwei Mütter den Barfuß-Pfad vom Laub und füllte die einzelne Bereiche mit Rindenmulch, kleine Stämme, Moos, Tannzapfen und Sand auf.

Eine andere Mutter prüfte die Baumstämme des im letzten Jahr gebauten Balanciergerüstes und zog die lockeren Schrauben nach.
„Ich hätte nicht mit so vielen Leuten gerechnet. Toll, sehr schön, klasse, so viele fleißige Leute“ zeigte sich Bürgermeister Thomas Memmel als Träger des Waldkindergartens bei seinem Rundgang mehrmals sichtlich beeindruckt von dem Engagement der Eltern.
Voller Anspannung und Vorfreude kamen die Kinder um 11.30 Uhr aus dem Wald zurück, wo sie unter anderem eine verletzte Schlange gesehen haben.

Noch während die Dachpappe auf das Dach des Spielehäuschen genagelt wurden „zogen schon Carlotta, Matej und Lotta in ihr „neues Zuhause“ ein. Marlene und Sophia gaben den Wänden noch den letzten Schliff.
Bei perfektem Frühlingswetter haben die Eltern mit nachhaltigen Projekten neben Holzpferde, Weidentipi, Boot, Klettergerüst, Morgenkreis zwei neue Abenteuer-Möglichkeiten für ihre Kinder im Wald geschaffen.
Für nächstes Jahr machen sie sich bereits die ersten Gedanken, wie zukünftig die Wasserversorgung für den „Matschbereich“ sichergestellt werden könnte.
Chistina Fanderl schwärmt vom Waldkindergarten:
Bei Elternprojekten lernen sich die Eltern kennen, es entsteht eine richtige „Waldfamilie“. Ihre beiden Kinder Sebastian und Sophia haben im Waldkindergarten unglaublich viel Fantasie, Kreativität und Bewusstsein für die Natur entwickelt. Durch das „Austoben und im Matsch spielen“ fällt es ihnen leicht, im Unterricht in der Schule still zu sitzen und konzentriert zu lernen.
Der Bauwagen – ein beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt:

Nach dem Kauf im Februar 2025 wurde das Gefährt bis zum April 2026 von engagierten Eltern in Eigenleistung das Dach abdichtet und entrostet, der Innenraum entkernt, die Bodenunterkonstruktion neu aufgebaut, die Elektrik neu installiert, Dämmung, Wandverkleidung und Fenster erneuert.

Bei Arbeitseinsätzen abends von 19 bis 21 Uhr und an Samstagabenden von 19 Uhr bis Mitternacht wurden die Aufgaben gemeinsam geplant und in enger Abstimmung mit Kindergartenleitung und der Stadt mit außergewöhnlichem Teamgeist und ausdauernder Eigeninitiative von den Profi- und Hobbyhandwerkern gemeistert.
Bericht: Josef Kastl