19.09 2026

Heimlicher Dorfmittelpunkt ist in Gefahr

Bäckerei kündigt Verkaufsraum zum Ende Oktober 2026

Im September 1994 übernahm der Bäcker- und Konditormeister Karl Dussmann aus Pförring das Lebensmittelgeschäft des damaligen ortsansässigen Bäckers. Das geänderte Einkaufsverhalten der Kunden zwingt ihn nun nach 32 Jahren, sich auf den Verkauf von frischen Backwaren zu konzentrieren. Muss er aufgrund der bisher erfolgslosen Suche nach einem geeigneten Verkaufsraum seine Filiale schließen?

Das Geschäft in der Ortsmitte an der viel befahrenen Bundesstraße B299, die damals noch durch den Ort führte, mit Backwaren, Lebensmittel und den wichtigsten Haushaltswaren ganz gut.

Dieses ehemalige Lebensmittelgeschäft ist inzwischen zu groß für „nur“ einen Bäckerei-Laden.

Auch nach der Eröffnung der Umgehungsstraße und dem Umzug in einen ehemaligen Lebensmittelladen im Jahr 2004 war der Umsatz immer noch auskömmlich.

Nach der Schließung von Sparkasse, Raiffeisenbank und Metzgerei bietet der „Dussmann“ die einzige Möglichkeit für einen „persönlichen Ratsch und dem Austausch von Neuigkeiten“ beim alltäglichen Einkauf, vor allem für die älteren Dorfbewohner. Aber auch junge Familien schätzen die Möglichkeit, für ihre Kinder oder das gemeinsame Frühstück am Samstag „einfach schnell mit der Radl“ beim Bäcker frische Backwaren zu holen. Dabei wurden selbstverständlich auch andere Lebensmittel wie Obst-, Gemüse, Milchprodukte etc. „mitgenommen“ und an der Poststelle der eine oder andere Brief aufgegeben.

Als „zentrale Anlaufstelle“ informiert die Teilnehmergemeinschaft über die aktuelle Projekt der Dorferneuerung beim „Dussmann“.

Die beiden Schaufenster etablierten sich mit dem Aushang von Plakaten der örtlichen Vereine und Informationen der Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung als wichtige Info-Stelle für die rund 1.500 Einwohner in Mühlhausen und Geibenstetten.

Anfänglich bedienten die ortsansässigen Verkäuferinnen Anna, Rosi und Ulrike abwechselnd mit Frau Dussmann von Montag bis Samstag in der Zeit 5.30 Uhr bis 12 Uhr mit „Wie geht´s?“ und „Was darf´s sein“, ganz persönlich „ihre“ Kunden. Trotz der zahlreichen Neubürger im Ort hat sich aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten in der Umgebung deren Einkaufsverhalten stark verändert.

„Wir haben uns durch die Reduzierung des Warenangebots und der Öffnungszeiten immer wieder angepasst“, schildert Frau Dussmann ihre Bemühungen, die Filiale zu halten.

„Dieses Sortiment an sonstigen Lebensmittel deckt den Grundbedarf“ weiß Vildane aus Erfahrung.

„Aktuell braucht Mühlhausen eine gut sortierte Bäckerei, die während der Woche von 5.30 Uhr bis 10 Uhr und samstags bis 11 Uhr geöffnet hat. Dazu ein kleines Kühlregal mit Milchprodukte und etwas Wurst, Mehl und Zucker.“ zeigt ihre Erfahrung. Aus wirtschaftlichen Gründen müssen sie aber dafür die Verkaufsfläche reduzieren.

Vor einigen Jahren waren die Regale mit Edeka-Lebensmittel noch gut gefüllt.

Auch nach längerer Zeit konnte eine passende Lösung mit der Vermieterin nicht gefunden werden. Die Suche nach einem anderen Gebäude oder Raum in Mühlhausen verlief bisher ebenfalls ergebnislos. So sahen sie sich gezwungen, zum Ende Oktober den Mietvertrag zu kündigen. Damit würde Mühlhausen einen weiteren seiner „heimlichen Dorfmittelpunkte“ verlieren.

Mit rund 18 Brot- und 30 Brötchensorten, täglich frisch, erfüllt Vildane jeden Kundenwunsch.

Besonders enttäuscht wäre auch Vildane, die seit rund sechs Jahren jeden Samstag um 5 Uhr „ihren“ Bäckerladen mit rund 18 Brot- und 30 Brötchensorten füllt und für ihre „Dauerkunden“ das König-Ludwig-Brot zur Seite legt.

Mit einem Backautomat sorgt Vildane für frisch gebackene Brezen während des ganzen Vormittags.

Ihr würde auch der erste Stammgast um 5.15 Uhr fehlen, genauso wie die Handwerker oder die Hopfenbäuerin, die für ihre Familie und Erntehelfer „noch schnell frisches Brot und sonstige Leckereien“ besorgt, bevor sie selbst wieder mit anpacken muss.

Abwechselnd mit ihrer Kollegin Ulrike und Frau Dussmann begrüßt sie ihre Kunden persönlich mit Namen, kennt ihre Wünsche, hilft den älteren Menschen auch gerne weiter und verabschiedet sie mit einem freundlichen „Pfiat di“.

Sie stehen mit „Leib und Seele“ in ihrem Verkaufsstand und appellieren immer wieder an ihre Kunden „wisst ihr in Mühlhausen keinen passenden Raum für unser Geschäft?“.

Dieser Aufruf hat eine junge Frau veranlasst, sich intensiv mit dem Thema „Dorfladen in Mühlhausen“ auseinanderzusetzen. In einer Informationsveranstaltung hat sie vergangene Woche im Sportheim den rund 70 Anweisenden ihren ersten Entwurf vorgestellt. Da es für die weitere detaillierte Erarbeitung, Umsetzung und den möglichen Betrieb eines Dorfladens eine entsprechendes Team benötigt, bittet sie mögliche Interessenten bei ihr unter [email protected] zu melden.

Darüber hinaus sind aber auch alle Mühlhausener aufgerufen, sich bei der Bäckerei Dussmann zu melden, wenn sie geeignete Räumlichkeiten zu vermieten haben.

Bericht: Josef Kastl


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